Botschaft an den Frieden

Botschaft für den Frieden


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Die Sonne
der Mond und die Erde
alle gemeinsam
erleuchten
den Frühling dieser Welt


Am 24. Januar 2002 wurde in Assisi, Italien das "Treffen zum Friedensgebet von Vertretern der Religionen der Welt" veranstaltet, zu dem der ehrwürdige Papst Johannes Paul II aufgerufen hatte.

Es ist kaum nötig zu erwähnen, dass Assisi der Geburtsort des heiligen Franziskus ist. Sein Kloster dort wird heute noch von vielen Mönchen weitergeführt. Ohne Ende strömen Pilger aus aller Welt dorthin. Warum fand das Treffen in Assisi statt?

Am 4. August 2002 wurde im Hieisan Tempel in der Nähe von Kyoto, Japan eine grosse Feier zum "15-jährigen Jubiläum des Gipfeltreffens der Religionen" veranstaltet. Danach wurde in der internationalen Kongresshalle in Kyoto eine Konferenz zum Thema Friedensgebet sowie dem Dialog mit dem Islam eröffnet.

Der Wunsch nach Frieden ist in den Herzen von allen. Weil es gerade jetzt notwendig ist, etwas zu unternehmen, damit Terror und Krieg auf dieser Welt ein Ende finden. Obwohl wir diesen Wunsch hegen, ist in Wirklichkeit doch kein Land sicher vor Krieg und keine Gesellschaft bleibt verschont von Terror; denn es sind die Menschen, die Terroranschläge verüben und Kriege führen. Aber von wo kommt dieser Geist des Menschen, der solches anstiftet oder tut? Es ist, dass wir Menschen beide Neigungen in uns haben, sowohl die gute als auch die böse.

Assisi ist ein heiliger Ort, wo das Herz des Friedens des heiligen Franziskus hoch geachtet wird. Es ist ein Ort, der durchdrungen ist vom Geist dieses Mönches, der es sich sein Leben lang zur Aufgabe gemacht hat, den Ausgleich zwischen Gut und Böse im Menschen zu suchen. Sich begnügend mit ehrlicher Armut, war er ein Heiliger, der sich in Demut und Liebe hingegeben hat. Ein Heiliger, der auch das Leben der Pflanzen, Vögelchen und aller Tiere der Natur hochachtete. Sein Herz war erfüllt von einem Geist und Gedankengut, die über den Rahmen seiner eigenen Religion, des Christentums, hinausgingen. Er war ein Mönch, der nach Harmonie von Mensch und Natur strebte.

Dieser Geist des Friedens in Assisi ist von grosser Bedeutung. Der Papst und Vertreter der Religionen aus aller Welt trafen sich, um gemeinsam vom Bahnhof des Vatikan aus mit einem Sonderzug zum Treffen nach Assisi zu fahren. Die Worte zu Beginn dieses Textes sind ein Gedicht, die Bitte und das Gebet des Verfassers [ Roshi Hozumi ], der an dieser Wallfahrt des Friedens teilnahm.

Auch in Japan findet alljährlich eine Gipfelkonferenz der Religionen statt, die diesem Geist von Assisi entsprang.

Es ist wohl unumgänglich, dass wir die Harmonie von Mensch und Natur erwünschen, das Zusammenleben von Mensch und allen Lebewesen erstreben und stets die Bereitschaft zum Zusammenleben mit der Natur fördern, anstatt uns die Natur immer nur zu unterwerfen. Was hier zur Frage steht, ist ein Ausweg zu finden von der gegenwärtigen Haltung des Menschen, sich als Mittelpunkt zu sehen.

Auch die Wissenschaften sind notwendig. Jedoch muss man als Mensch aufhören mit ethisch unvertretbaren Technologien.
Auch die Medizin ist wohl notwendig. Wie sieht es jedoch als Mediziner mit der Ethik als Mensch aus, wenn man Forschungen durchführt, die man nicht tun sollte?
Auch Erziehung ist wichtig für den Menschen. Jedoch müssen wir als Menschen Abstand halten von Erziehung, die man nicht ausüben sollte. Vielmehr müssen wir uns fragen, wie und was ist wahre Erziehung.
Auch wenn wir in Handel und Wirtschaft tätig sind, müssen wir als Menschen uns hüten vor Geschäften, die man nicht machen sollte.
"Auch ein Weiser liebt Besitz. Er eignet ihn sich mittels des rechten Weges an."

Also sogar derjenige, der weise genannt wird, mag Besitz. Aber um sich diesen Besitz anzueignen, ist der rechte Weg, also die menschliche Ethik, Tugend als Standpunkt einzunehmen. Wird das nicht klar und deutlich gesagt mit diesen Worten?
Auch als Politiker ist es nicht so, dass man einfach nur mit Geld und Macht regieren darf. Als Mensch darf es nicht soweit gehen, dass man etwas tut, das man nicht tun soll.

Auf unserem Lebensweg als Mensch gibt es Dinge, die wir nicht tun sollten. Obwohl wir wissen, dass man dies nicht tun sollte, verfallen wir schliesslich doch der Tat. Dieser Geist ist schlecht.

Dass dies für mich selbst äusserst schwierig ist, ist mir klar geworden; dies auch erst vor kurzem, als ich sechzig Jahre alt wurde. Bis dahin war ich dem gegenüber gleichgültig. Heute denke ich, das war nicht zu entschuldigen. Heute solche Reue empfindend, frage ich mich unentwegt selbst, wie man als Mensch leben sollte, läutere mich und versuche mit mir ins Reine zu kommen.


Lebendig vollends sterben.
Dann so wie es kommt
zu handeln, das ist gut.
                                             Shido Munan, Zen-Patriarch

Dies nehme ich mir als Leitbild.

Es ist schon eine Weile her, seit ich mich zum "lebenslänglichen Unsui" erklärt habe*. Nun, für die Pilgerfahrt des Friedens nach Assisi bin ich in Erinnerung an die Zeit, in der ich unter der Anleitung von Roshi Mumon Yamada Zen übte, in der baumwollenen Unsui-Kutte aufgebrochen. Das Herz, den Geist aus jener Zeit habe ich mir hochgehalten. Ich habe mir selbst gesagt:
- Der Anfängergeist darf nicht vergessen werden -
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nd habe sorgfältig einen demütigen Geist bewahrt. Als ob das zu spüren wäre, wurde ich zu meiner Freude von den Mönchen in Assisi herzlich empfangen. Mich, einen Buddhisten und blossen Unsui, haben sie freundlich willkommen geheissen.

Ich habe in Assisi für das Wohl der Christen gebetet und bin mit dem Papst im selben Sonderzug zum Vatikan zurückgefahren.



*Anm.: Unsui bedeutet "Wolken und Wasser"; wie treibende Wolken und fliessendes Wasser, gelassen und nirgends verweilend nach Wahrheit zu suchen. Es ist die Bezeichnung von Mönchen in Zen-Schulung unter Anleitung eines wahren Lehrers, genannt Roshi.
Roshi Hozumi hat sich selbst, nachdem er schon als Roshi (grosser Lehrer) anerkannt war, als Unsui (Schüler) auf Lebenszeit bezeichnet.




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