Botschaft für den Frieden 2003


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Dies ist die Rede von Roshi Gensho Hozumi, die er beim "Treffen zum Friedensgebet von Vertretern der Religionen der Welt" gehalten hat. Es fand vom 7. bis 9. September 2003 in Aachen (Deutschland) statt.


Ich bin ein Zen-Buddhist aus Japan. Dieses Jahr findet das "Treffen zum Friedensgebet von Vertretern der Religionen der Welt" hier in Aachen statt, einer deutschen Stadt mit Tradition.

Das 20. Jahrhundert war ein Zeitalter der Kriege. Das 21. Jahrhundert soll zur Epoche des Friedens werden, dafür beten wir als religiöse Menschen und bemühen uns gemeinsam darum. Trotzdem ist der Terror von dieser Welt noch nicht verschwunden und die Kriege haben nicht aufgehört.

Ist das wohl die Schuld des Menschen? Frieden ist nicht etwas, das von aussen kommt. Frieden kommt aus dem Herzen von uns selbst. Aus dem Herzen von jedem von uns, die wir gemeinsam auf dieser Welt geboren sind, dort entspringt Frieden.

Wenn im eigenen Herzen kein Friede ist, besteht keine Aussicht auf Frieden in der Gesellschaft. Wir Menschen haben Ruhe und Gelassenheit in unserem Herzen. Wir müssen die Augen öffnen und Wahrheit erkennen.

Auch ich als Zen-Buddhist, als Bürger dieser Erde, setze mich für ein aufrichtiges Leben ein. Dennoch ist Frieden schwer zu verwirklichen auf dieser Welt.

Ich mache mir Sorgen um mich selbst, mache mir Sorgen um meine Mitmenschen, manchmal bin ich traurig, manchmal leide ich, ich mache mir selbst Vorwürfe, ich hinterfrage meine Religion, und stets frage ich mich selbst „Ist es gut so oder ist es nicht gut?g.

Ich halte den Geist des Friedens von seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. aus Assisi für wichtig. Auch ich wünsche die notwendige Verwirklichung des Friedens der Menschheit in der Gesellschaft.

Fehlende Achtung vor der Würde des Lebens, Umweltprobleme, die Energiefrage, Atomwaffen, Streit zwischen Ländern und Völkern, Gegensätze von Religionen und Kulturen, sowie Unterschiede zwischen Arm und Reich; wir sind gegenwärtig mit unzähligen Problemen konfrontiert.

Wir können heute nicht durchs Leben gehen und diese Probleme unbeachtet lassen. Angesichts all dieser Probleme müssen wir das Menschsein hinterfragen und uns selbst ergründend im Leben voranschreiten. Gerade da kommt für den heutigen Menschen die Notwendigkeit auf, sich der Frage zu stellen „Wie soll  ich leben als Mensch?g.

Der Mensch ist ein soziales Lebewesen. Es ist sehr wichtig, dass wir auf eine Ideologie gestützt leben, die den Gegensatz der Nationen und Völker sowie der Menschen innerhalb der Gesellschaft übersteigt. Wir müssen anfangen, unter den Religionen mehr Verständnis füreinander aufzubringen.

Als religiös Tätiger, oder auch als echter Mensch, müssen wir grossen Wert auf den Dialog legen. Für den heutigen Menschen ist gerade jetzt ein wichtiger Zeitpunkt des interreligiösen Dialoges.

Das aufgrund des Engagements der St. Egidio Gemeinschaft zustande gekommene „Treffen zum Friedensgebet von Vertretern der Religionen der Weltg passt hervorragend in unsere Zeit.

Ich habe grosse Achtung vor dessen Veranstaltern, durch die ich die Möglichkeit erhalten habe hier teilzunehmen, und bin von Herzen dankbar.

Vor vierzig Jahren sagte Papst Johannes XXIII. im Brief mit dem Titel „Pacem in terrisg, dass Friede wie ein Gebäude sei, das auf vier Pfeilern ruht.

Diese vier Pfeiler sind Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit. Auf dem Weg zu Frieden in dieser Welt darf nicht eines davon fehlen. Diese vier sind wichtig.

Wenn ein Mensch die Bedeutung von Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit versteht, diese aber nicht in die Tat umsetzt, wenn es nur bei der Theorie bleibt, dann stellt sich kein Frieden auf dieser Erde ein.

Der Inder Mahatma Gandhi erläuterte die „Sieben Sünden der Gesellschaftg:

1.       Politik ohne Prinzipien

2.       Wohlstand ohne Arbeit

3.       Vergnügen ohne Gewissen

4.       Gelehrsamkeit ohne Charakter

5.       Gewerbe ohne Moral

6.       Wissenschaft ohne Menschlichkeit

7.       Glaube ohne Selbstaufopferung

Die spirituelle Tätigkeit von Mahatma Gandhi, der sich stark eingesetzt hat für Gewaltlosigkeit, wirft eine grundsätzliche Frage an die Menschheit auf. Ich lebe als Zen-Buddhist und lerne viel von anderen Religionen.

Der Geist des Friedens des heiligen Franziskus von Assisi, ein Heiliger, der selbst Bäumen und Gräsern herzlich zugeneigt war, der auch liebevoll zu den kleinen Vögeln und all den kleinen Tieren war, der sich die Armen zu seinen Freunden machte und sich selbst aufrichtig mit Armut begnügte, welcher ein demütiges und reines Leben führte, für diesen Heiligen hege ich grosse Bewunderung.

Am 1. März dieses Jahres ist eine Suikinkutsu, ein traditionelles Kulturgut aus Japan, als Schenkung an den heiligen Ort von Assisi übergeben worden.

Die Suikinkutsu ist eine Konstruktion, die das Abflusswasser vom Händewaschen auffängt und ableitet. Es gibt sie in Innengärten von Häusern in der Stadt Kyoto in Japan. Die Suikinkutsu besteht aus einem aus Tonerde gebrannten Gefäss, das im Boden vergraben ist. Von oben fällt Wasser, Tropfen für Tropfen, in das Gefäss hinein und gibt einen schönen Klang von sich, so wie der Klang einer Koto-Harfe. Das Hören diese Klanges gibt Frieden im Herzen und wirkt besänftigend.

Wer diesem wirklich leisen Ton lauscht, in dessen Herz kehrt Friede ein. Die Schenkung dieser Suikinkutsu ist aufgrund von Liebhabern der Suikinkutsu zustande gekommen.

Aus Assisi kommt ein Tropfen vom Geist des Friedens. Ich unterstütze dies sehr. Den Frieden der Menschheit erbittend beende ich nun meine bescheidene Botschaft. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.




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